Bewußtsein ist ein Ort der Begegnung – der Raum, in dem Körper und Seele aufeinandertreffen (Katja Walesch)
Warum Schmerz und Stress als gemeinsames Thema?
Weil beide eng zusammenhängen: Wenn der Stresspegel steigt, sinkt gleichzeitig die Schmerzschwelle und umgekehrt. Über den Tag bauen wir permanent Gewebespannungen auf und bauen sie wieder ab. Je höher die Muskelspannung ist, die Ihr Körper aufbaut, ohne sie motorisch wieder abzubauen, desto unelastischer und unausgewogener gehen Sie abends ins Bett.
Jeder Eindruck, der auf uns wirkt, wird von unserem Körper wie von einem Seismographen aufgezeichnet und gespeichert. Ob und wie etwas davon bemerkt, bewußt oder erinnert wird, ist von vielen Faktoren abhängig: z.B davon, wie wir uns fühlen, was uns gedanklich beschäftigt, was wir tun, wo und mit wem wir zusammen sind, wie das Wetter ist und so weiter. Je nach Gewichtung der einzelnen Faktoren skizziert unser Gehirn „Schnittmuster“ für zukünftige Erfahrungen, die mit ähnlichen Eindrücken einhergehen.
Die Kunst der komplexen Regulation
Auf jede noch so kleine Veränderung unseres Befindens reagiert der Organismus unmittelbar mit einer Stressantwort – mal mehr, mal weniger intensiv: Das Herz schlägt schneller, der Blutdruck steigt, die Atmung wird flacher, die Verdauung hält inne, die Sinne sind geschärft. Unser Körper muß unaufhörlich unterscheiden, ob Gefahr droht, ob wir uns in Lebensgefahr oder Sicherheit befinden. Die genannten vegetativen Phänomene sind Zeichen gesteigerter Aufmerksamkeit, der Körper ist bereit, drohende Gefahr abzuwehren.
Schmerz und Stress beantwortet der Körper immer mit Spannungsänderung – mal sehr lokal, mal überregional. In diesem Zusammenhang entstehen Verhärtungen von Muskulatur und Bindegewebe (Faszien) bis hin zu den inneren Organen durch einen sogenannten Erstarrungsreflex. Muskelstarre hat immer einen Grund. Auslöser kann grundsätzlich jeder Eindruck auf uns sein, der intensiv mit einer ungünstigen Körperhaltung oder einer emotional negativen Gestimmtheit verknüpft wird (z.B. ein Schreck, das Anheben einer Last, das Erfahren einer erschütternden Nachricht). Wie beeindruckend nun ein Auslöser ist und welche Folgen er bewirkt, ist von der individuellen Konstellation desjenigen abhängig, dem der Eindruck widerfährt. Durch die Gewebestarre (tonische Immobilität) können sich Fehlhaltungen und Balancestörungen mit Muskel- und Gelenk- oder Organbeschwerden entwickeln. Dies vollzieht sich oft über längere Zeiträume und entspricht damit einem energiesparenden Notfallmodus. Da immer der ganze Körper involviert ist, sind häufig auch vegetative Funktionen wie z.B. das Immunsystem, die Verdauung oder der Hormonhaushalt mitbetroffen.
Schmerzen sind hierbei gleichzeitig Phänomen und Auslöser solcher Körperreaktionen. Physiologisch haben Schmerz und andere Stress-Signale jedoch eine wichtige Funktion: Unser Körper will uns durch akutes Aufbegehren vor Gefahren schützen, uns durch Unwohlsein oder Missempfindungen warnen. Das kann manchmal sehr ungemütlich sein. Ein Leben in völliger Schmerz- oder Stressfreiheit gibt es nicht und wäre nicht sinnvoll, denn auch an diesen Empfindungen lernen wir das Leben. Erstrebenswert ist vielmehr, nicht im Dauerstress leer zu laufen, sondern bewußt sowohl mit Schmerz als auch mit Stress umzugehen.
Umgang mit Schmerz und Stress
Auch Unsicherheit und Sorge um die eigene Gesundheit machen Stress. Stress aktiviert das Angstzentrum im Gehirn und steigert dadurch die Erstarrungsbereitschaft. Darum ist es mir in Diagnostik und Beratung wichtig, aufzuklären und zu entkatastrophisieren. In der Behandlung gilt es, Spannungen zu lösen und Hilfe zur Selbsthilfe zu geben. In der Begleitung und Prävention unterstütze ich Sie darin, Ihre eigene Spur zu finden, damit Sie im Alltag besser auf Ihre persönlichen Ressourcen zugreifen und mehr Wohlbefinden und Lebensfreude genießen können.
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Zum Beitrag Stress regulieren läßt sich trainieren
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