Die Heilkraft der Sprache
Das persönliche Gespräch zwischen Arzt und Patient ist von hohem Nutzen für Anamnese, Diagnosefindung und Therapie. Seit Jahrtausenden machen Gelehrte und Ärzte darauf aufmerksam. Dennoch wird dem Gespräch in unserem medizinischen Alltag immer weniger Zeit eingeräumt. In einem Zeitungsartikel stolperte ich einmal über den Satz: „Kommunikation ist Medizin“. Das fand ich innovativ und angemessen. Im Artikel selbst ging es jedoch in erster Linie um Zeitersparnis durch digitale Medien. Schade, wieder eine Chance verspielt, das Wesentliche wirk-licher Kommunikation in den Fokus zu stellen.
Ist Medizin Kommunikation? Wie ansprechend ist welche Form von Medizin und wie sprechen wir jeweils darauf an? Immer wieder wird von „sprechender Medizin“ geredet – doch was ist das eigentlich? Es geht hierbei weniger darum, daß die Medizin etwas zu einem sagt, als um die Heilkraft der Sprache eben auch in der Medizin. Sprache wirkt, sie hat Kraft – Worte können manchmal gewaltig sein, besonders in der Medizin. Und Sprache hat Heilkraft: Kommunikation kann heilsam sein wie Medizin, wenn sie auf Augenhöhe stattfindet und angemessen ist. Nicht nur als Ärztin ist mir Sprache wichtig. Wir Menschen haben die besondere Möglichkeit, mithilfe der Sprache die Welt zu verstehen, unsere Lebenswelten benennen zu können und uns darüber auszutauschen, zu ko-respondieren. Um uns selbst und einander besser kennenzulernen, sollten wir das Benennen üben. Damit Sprache uns hilft, uns selbst und einander auch besser zu verstehen, möchte ich Mut machen, sie neugierig und mit Gefühl und Spürsinn zu benutzen. Sich und einander gut(es) zusprechen – Sprache ist dafür das wesentliche Medium, nicht nur in der Medizin.
Mit meinen Sprachschnipseln (alphabetisch als Glossar geführt) lade ich Sie ein, sich mit der Bedeutung von Wörtern näher zu befassen oder speziellen Begriffen aus meinen Texten genauer nachzugehen. Es erklärt sich selbst, daß ich dabei nicht immer objektiv bleibe. Gleichzeitig kann diese Sammlung nur unvollständig sein. Vielleicht ist es damit für Sie eine Anregung, Ihrer eigenen Sprache nachzuspüren?
Der Sprache auf der Spur
Der Sprache auf die Spur kommen wir, indem wir sie bewußt gebrauchen. Das gelingt umso präziser, je genauer wir sie kennen. Wortbedeutungen und Wortwurzeln lassen sich zusätzlich aufspüren mit Etymologischen Wörterbüchern (Herkunftswörterbücher), Fremdwörter- und Sprachwörterbüchern. Beim Erstellen meines Glossars standen sie auch mir zur Seite, Details dazu finden Sie im Impressum.
Zum Sprachschnipsel-Glossar:
Anfangsbemerkung: Geschlechtergerechte oder – neudeutsch – gendergerechte Sprache ist ein wichtiges und empfindliches Thema: Es geht um einen sensiblen Umgang mit Sprache und im Miteinander. Sollten Sie beim Lesen meiner Texte das Gefühl haben, genderungerecht wirkende Begriffe zu entdecken, so kläre ich das an dieser Stelle gern: Ich meine generell immer alle Angehörigen einer Art (z.B.: Menschen) (siehe auch Sprachschnipsel →man). Andernfalls gebe ich spezielle Hinweise. Sollten Sie dennoch Zweifel haben, können Sie mir hierzu gern eine E-Mail schreiben.
Zusatzbemerkung: Vielleicht stolpern Sie in manchen meiner Texte über meine elastische Schreibweise von „-ß-„/“-ss-“ oder „-f-„/ „-ph-„-Wörtern oder die zuweilen gemischte Groß- und kleinSchreibung auch innerhalb eines Wortes. Dies ist beabsichtigt und der künstlerischen Freiheit zuzuschreiben.
- AlphabetWaren Sie schon einmal in Griechenland? Oder sind Sie durch Asien gereist? In einem Land, dessen Schriftsprache wir nicht verstehen, fühlen wir uns schnell wie ein funktionaler Analphabet. Das sind Menschen, die zwar Buchstaben erkennen und durchaus in der Lage sind, den eigenen Namen und ein paar Wörter zu schreiben.… Alphabet weiterlesen
- AngstAngst ist ein Grundgefühl. Es äußert sich in bedrohlich empfundenen Situationen als unlustbetonte Erregung. Als Grundgefühl hat Angst eine wichtige Warn- und Schutzfunktion, denn sie weist uns auf Gefahr und Bedrohung hin. Ausgelöst werden kann Angst bei erwarteter Bedrohung der körperlichen Unversehrtheit, der Selbstachtung oder des Selbstbildes (persönliche Integrität →integer).… Angst weiterlesen
- BauchgefühlBauchgefühl ist etwas, das wir erleben. Es ist immer beteiligt, wenn wir fühlen. Wenn wir uns schlecht fühlen, haben wir Bauchweh, wenn wir verliebt sind, haben wir Schmetterlinge im Bauch: Haben wir ein gutes →Gefühl zu etwas, signalisiert uns unser Körper, daß uns das nicht schaden wird, wir fühlen uns… Bauchgefühl weiterlesen
- BewegungLeben ist Bewegung und die Bewegung des Lebens ist →Lernen: Wir müssen uns bewegen, um etwas zu erfahren; ohne Bewegung lernen wir nichts. Auch ein Perspektivwechsel ist Bewegung. Auch Sport ist Bewegung, aber nicht jede Bewegung ist Sport. Bewegung ist der Grund für unser Gehirn. Sie ist es, die uns… Bewegung weiterlesen
- BeziehungBeziehung bedeutet: Bezug haben, zu etwas oder jemandem in Beziehung stehen. Alles befindet sich in Zusammenhang miteinander – nichts existiert in luftleerem Raum, niemand existiert für sich, es gibt kein Nichts. Alles befindet sich in Bezug auf etwas anderes, jeder hat eine Beziehung zu jemand anderem. Es kann sich um… Beziehung weiterlesen
- BindungWir sind soziale Wesen und haben ein ganz primäres Bedürfnis nach Bindung/Ver-bindung. In diesem Zusammenhang bedeutet Bindung den Aufbau und das Gestalten enger Beziehungen im Laufe unseres Lebens. Der erste Mensch, mit dem wir zu Beginn unseres Lebens damit anfangen, ist die Mutter: Auf sehr leiblicher Ebene wird bereits im… Bindung weiterlesen
- bio-psycho-soziale DreidimensionalitätDieser etwas sperrig daherkommende Begriff beschreibt die komplexe Interaktion zwischen unserem Organismus im Verbund mit unserem Geist-Seele-Haushalt und unseren Mitmenschen. Sie beinhaltet die biophysiologischen Prozesse in Zusammenspiel und Wechselwirkung, wie wir uns erleben und fühlen, wie wir uns anderen und der Umwelt gegenüber verhalten und wie diese auf uns einwirken.… bio-psycho-soziale Dreidimensionalität weiterlesen
- Chinesische MedizinChinesische Medizin wird allgemein synonym gebraucht für die sogenannnte Traditionelle Chinesische Medizin (→TCM). Sie ist ein zusammenfassender Überbegriff für asiatische Heilkunde-Strömungen, die vor über 3000 Jahren im ostasiatischen Raum aus einer Fülle verschiedenster traditioneller Richtungen entstanden sind. Diese vielfältigen und friedlich nebeneinander existierenden Formen Traditioneller Ostasiatischer Medizin wurden in der… Chinesische Medizin weiterlesen
- CoachingCoach heißt im Englischen ursprünglich Kutsche und benannte im 19. Jahrhundert umgangssprachlich einen Tutor für Studenten; später ist der Begriff durch den Sport bekannter geworden. Heute wird Coaching allgemein als Sammelbegriff für unterschiedliche Beratungsmethoden gebraucht, in denen dem Klienten keine Lösungen vorgegeben werden, sondern er in der Entwicklung eigener Lösungen… Coaching weiterlesen
- Cortisol & CoCortisol (=Hydrocortison) ist ein Hormon, das von der Nebenniere nach akutem →Stress freigesetzt wird, um die körperlichen Folgen der akuten Stressituation zu bewältigen. Es wird ausgeschüttet, wenn das Adreanalin seine Aufgabe bereits erledigt hat. Cortisol hat in erster Linie stoffwechselabbauende Funktionen, um dem Körper energiereiche Verbindungen für die Regeneration zur… Cortisol & Co weiterlesen
- DenkenDie größte menschliche Fähigkeit ist es, reflexiv (=reflektierend, sich auf etwas rückbeziehend) denken zu können. Denken hilft: Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen, die zum Phänomen Denken und Vorstellungskraft forschen, bestätigen die Heilkraft der Imagination, beispielsweise im Rahmen von Entspannungsverfahren oder Meditation. Auch wenn wir mit der Forschung in diesem Bereich erst ganz… Denken weiterlesen
- DepressionDruck (frz.: pression, engl.: pressure) ist ein Maß für den Widerstand, den Materie einer Verkleinerung des zur Verfügung stehenden Raumes entgegensetzt. Im Widerstand sammelt sich Energie, Spannung entsteht. Übersetzen wir einmal Physikalisches auf Emotionales: Wenn etwas pressiert, dann ist es eilig, wir geraten in →Stress, damit wir gezielt eine Lösung… Depression weiterlesen
- DiätDer Begriff Diät geht auf das griechische Wort diaitomai (=sich ernähren) zurück. Das dem entlehnte diaita bedeutet ursprünglich soviel wie (Lebens-)Einteilung, Lebensunterhalt. In der Medizin wurde daraus die Diät, um eine gesunde Ernährung bzw. Schonkost (eingeteilte oder – lax formuliert – auch „abgespeckte“ Kost) zu benennen. Diät oder Diätetik bedeutet im… Diät weiterlesen
- Dysfunktion, somatischeDer Begriff somatische Dysfunktion beschreibt die Fehlfunktion von anatomischen Strukturen des Bewegungssystems (z.B. der Gelenke oder der Myofaszien). Somatische Dysfunktionen können Schmerzen machen und →Stress auslösen. Weitere Arten von Dysfunktion sind beispielsweise hormoneller (z.B. Schilddrüsenfunktion), neuronaler (z.B. Schmerzweiterleitung) oder vegetativer Art (z.B. Verdauungs- oder Gefäßsystem). Kombinationen sind häufig (z.B. neurovegetative… Dysfunktion, somatische weiterlesen
- EmotionDieser Begriff kommt aus dem Lateinischen emovere (=herausbewegen, Gefühl). Die Begriffe „Motor“ und „motion“ (engl.: bewegen) haben ebenfalls lateinische Wurzeln, und wie alle ihre Wortgeschwister haben sie etwas mit →Bewegung zu tun. So auch der Begriff „Emotion“. Sowohl von gr.: en (=in), als auch von lat.: e-, ex (=aus, heraus)… Emotion weiterlesen
- fastenDie vorchristliche Bedeutung des Wortes fasten war Nicht-Essen und fest(halten) (=> kein Essen haben). Das englische Wort fasten bedeutet anbinden, festmachen, befestigen (womöglich kommt daher das englische „fasten your seatbelts“). Fast heißt im Deutschen beinahe und im Englischen schnell, locker. Fast food bedeutet dann auch keineswegs schlechtes, sondern eher schnell… fasten weiterlesen
- ganzheitlichEine ganzheitliche Sichtweise bedeutet, etwas mit all seinen Facetten und Dimensionen zu betrachten, und sich nicht auf eine Perspektive zu beschränken. In der Medizin beschreibt Ganzheitlichkeit die Betrachtung des Menschen unter den Aspekten seiner biophysiologischen und psychoemotionalen Fähigkeiten und Möglichkeiten und bezieht hierbei seine sozialen und ökologischen Beziehungen mit ein.… ganzheitlich weiterlesen
- GefühlOhne Gefühl geht’s nicht! Gefühle sind leibliche Erinnerungen, die durch unser Gehirn ins Bewußtsein dringen. Dabei ist ein unangenehmes Gefühl kein Feind, sondern ein Geschenk, mit dem unser Körper uns sagt: „Werde ehrlich! Frage nach!“. Gehirn und →Bewegung befinden sich unaufhörlich in direkter Verbindung. Durch Erinnerungen halten wir den Kontakt… Gefühl weiterlesen
- GenesungDer Begriff Genesung geht ursprünglich auf das Wort Genesis (altgr.=Schöpfung, Entstehung, Geburt) zurück. Genesung beinhaltet somit immer den Aspekt komplexer Entwicklung. Der Begriff drückt anschaulich aus, daß sich der Organismus – jeweils im Licht der immerwährenden Interaktion von →Körper, Seele und Geist – auch während, durch und nach einer Krise oder Erkrankung… Genesung weiterlesen
- HeilungDas Wort Heilung bedeutet heil werden: Gesund, ganz, unversehrt, vollständig. Das Wort heilig ist eng damit verwandt und deutet auf den spirituellen Hintergrund des Begriffes heil sein, heil werden hin. Das englische Wort holy (=heilig) ist klangverwandt mit dem Wort whole (=ganz). Dieses Wort unterscheidet sich in der Schreibweise nur… Heilung weiterlesen
- holistischAus dem Griechischen (holos=ganz) ist der Begriff holistisch abgeleitet und bedeutet ganzheitlich. Die holistische Philosophie ist von Aristoteles‘ Satz geprägt: „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile“: Natürliche (gesellschaftliche, wirtschaftliche, physikalische, chemische, biologische, geistige, sprachliche usw.) Systeme und ihre Eigenschaften werden hier als Ganzes betrachtet und nicht als… holistisch weiterlesen
- HumorForscher haben herausgefunden, sind dann aber wieder reingegangen… Hahaha – Humor Hat Heilkraft! Neurowissenschaftliche Erkenntnisse bestätigen, was die Menschen schon immer wußten: Lachen ist Medizin, denn Humor hilft heilen: im Gehirn wird vermehrt das „Glückshormon“ Serotonin ausgeschüttet die Muskeln werden aktiviert und gelockert die Durchblutung aller Gewebe erhöht die Atmung… Humor weiterlesen
- Immobilität, tonischeImmobilität heißt Unbeweglichkeit, Tonus heißt Spannung (hier: Gewebespannung). Tonische Immobilität bedeutet gespannte Erstarrung oder auch Spannungsstarre. Bewegungslosigkeit oder Erstarrung entspricht dem systemischen Energiesparmodus unseres Körpers: Der Erstarrungsreflex, um bei akuter Lebensgefahr alle Körperfunktionen auf ein Minimum zu reduzieren, ist etwa 50 Mio. Jahre alt und in den meisten Lebewesen angelegt,… Immobilität, tonische weiterlesen
- ImmunsystemAls Immunsystem bezeichnen wir das Abwehrsystem höherer Lebewesen. Es stellt ein komplexes Netzwerk dar aus verschiedensten Molekülen, Zelltypen und Organen. Es ist kein statisches Organ, sondern man kann es sich eher als etwas Flüssiges vorstellen, das sich in unaufhörlichem Austausch zwischen unserem Körper und unserem Gehirn befindet und dafür sorgt,… Immunsystem weiterlesen
- integerDie Begriffe integer und Integrität kommen vom lateinischen integrare (=wiederherstellen, ergänzen) und integere (=unversehrt, unbescholten). Integer bedeutet in der Mathematik „Ganzzahl“ (lat.: numeri integri). Ethisch bedeutet es sowohl unbescholten, unbestechlich als auch vollständig, ganz im Sinne von unversehrt. Ein Mensch lebt integer, wenn er in dem Bewußtsein lebt, daß sich seine persönlichen… integer weiterlesen

